Verfasst von: mcstrider | Juli 20, 2012

«Sensation» der Weltwoche ist alter Kaffee

Die Weltwoche will eine Sensation bei der Entwicklung des Klimas entdeckt haben.

Die Weltwoche will eine Sensation bei der Entwicklung des Klimas entdeckt haben. Bild: Weltwoche vom 19.07.2012.

Die Weltwoche schreibt in der Ausgabe vom 19. Juli 2012 von einer «Sensation wider Willen». «Schweizer und deutsche Klimaforscher haben nachgewiesen, dass sich die Erde in den letzten 2000 Jahren abgekühlt hat. Die Studie stellt die Grundlagen der bisherigen Wissenschaft in Frage. Sie sorgt für mehr Aufsehen, als den Forschern lieb ist.», schreibt Markus Schär im Lead des Artikels. Er spricht von einer Studie «in bisher nicht erreichbarer Qualität – und mit einem verblüffenden Resultat». Nämlich das es früher schon wärmer war als heute und sich das globale Klima in den letzten 2000 Jahren abkühlte. Mit Verlaub, das ist alles andere als verblüffend sondern alter Kaffee.

Auf das Klima wirken – das ist auch nicht wirklich was Neues – viele Faktoren. Manche sehr langfristig andere kurzfristig. Die wechselnde Neigung der Erde oder die Sonnenaktivitäten gehören zu den eher langfristigen, die Vulkanaktivitäten zu den kurzfristigen Faktoren. Bei den Sonnenaktivitäten sind noch viele Fragen offen. Anders sieht es bei der Neigung der Erde aus: Diese und deren Änderung kennen die Forscher gut. Und diese Neigung sorgt für die «Sensation wider Willen», welche die Weltwoche gefunden haben will. Im Moment befindet sich die Erde in einer Phase, in der sich, wegen der sich ändernden Neigung, das Klima abkühlt. Das war die letzten 2000 Jahre grossenteils der Fall – wie die Weltwoche ganz richtig feststellt. Dass sich die Erde in den letzten 50 Jahren trotzdem erwärmt – und das immer schneller – ist deshalb umso beängstigender und hängt – zumindest zu einem grossen Teil – vom von uns verursachten CO2-Ausstoss zusammen.

Dass die Gletscher zu Zeiten der Römer ebenso geschrumpft waren wie heute, ist also keineswegs ein Grund zur Erleichterung sondern zur Beunruhigung. Denn damals waren wir, was die Erdneigung betrifft, in einer Hitzeperiode, heute wären wir – genau wie die Weltwoche richtig schreibt – eigentlich unterwegs in eine Eiszeit.

Mehr dazu gibt es hier in einem Artikel mit WebTV von mir in der Jungfrau Zeitung zu einem Vortrag des Klimatologen Professor Heinz Wanner vor Heimatvereinigung Grindelwald: www.jungfrauzeitung.ch/artikel/117125/

(Gesperrter) Link zum Weltwoche-Artikel: http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisgesperrt.html?hidID=545509

Klimatologe Professor Heinz Wanner

Professor Heinz Wanner bei einem Vortrag in Grindelwald. Darin zeigt sich, dass die «Sensation» der Weltwoche alter Kaffee ist. Bild: Jungfrau Zeitung.


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