Verfasst von: mcstrider | Juni 3, 2013

Graue Haare und irisches Wasser

«Mängisch merk i’s am Morge bim Uufstah, i bruuche länger jedes Jahr, u dä, wo mi zum Spiegu uus aaluegt, het ou scho es paar graui Haar.» So beginnt der Song «Jung» der Mundartpioniere Span. Es gibt Tage, da fühle ich mich Christoph Kohli, aus dessen Feder die Zeilen stammen, sehr verbunden, und dann wage ich gar nicht, daran zu denken, wie es ihm heute geht.  Ist es doch 20 Jahre her, dass er diese Zeilen schrieb. Es geht ihm wohl nicht schlecht: Schliesslich ist er immer noch mit Span unterwegs. Seit über 40 Jahren.

50 Jahre gemeinsam auf der Bühne ohne Rost und Grünspan anzusetzen: The Dubliners (seit 2013 The Dublin Legends).

50 Jahre gemeinsam auf der Bühne ohne Rost und Grünspan anzusetzen: The Dubliners (seit 2013 The Dublin Legends).

Nicht schlecht, werden sich andere Musiker denken. Beispielsweise jene der irischen Formation The Dubliners.  Schon mehrere Male durfte ich die Iren live erleben, und ich versichere Ihnen, sie haben weder Rost noch Grünspan angesetzt. Zuletzt hatte ich im Februar 2012 an der Tournee zum 50-Jahr-Bühnenjubiläum das Vergnügen. Es war leider auch ein Abschied. Zwei Monate später − am 5.April 2012 − starb Gründungsmitglied Barney McKenna im Alter von 73 Jahren. Am 31.Dezember gaben The Dubliners im Rahmen einer BBC-Show ihr letztes Konzert. Doch die bisherigen Bandmitglieder machen weiter. So werden sie unter dem Namen The Dublin Legends im September wieder in die Schweiz, nach Zürich, kommen.

Irgendetwas muss im irischen Wasser sein. Herzerwärmender Gesang liegt den Iren im Blut. Wie jeder weiss, der ein Länderspiel mit irischer Beteiligung erlebt hat. Unvergesslich die Partie Irland gegen Spanien an der Euro 2012, als die irischen Fans beim Stand von 0:4 «The Fields of Athenry» anstimmten. Das Lied erzählt von einem Mann, der, um seine Familie vor dem Hungertod zu retten, Getreide stiehlt und dafür nach Australien  deportiert wird. Wehmut, Stolz, Sehnsucht, Heimat – all das findet sich in den bewegenden Zeilen dieses Liedes wieder. Die Zuschauer, die spanischen Fans und Fernsehkommentatoren lauschten −  gebannt, gerührt, still.

Wehmut schwingt oft mit in irischer Musik. Etwa auch in «The Wild Rover», wo ein Mann zurückschaut: «I spend all my money on whisky and beer.» Doch immer bleibt es lebensbejahend. Und wenn The Dublin Legends im September im Volkshaus «The Wild Rover» anstimmen werden, das verspreche ich Ihnen, wird niemand auf den Stühlen sitzen bleiben.  Alle werden stehen, klatschen und voller Inbrunst mitsingen.

Oft geht es auch um Alkohol. Und um Frauen. Besser gesagt um  Ärger mit Frauen. Wie etwa in «Seven Drunken Nights».
Allerdings wenn der Mann − wie in diesem Lied − an sieben Tagen die Woche betrunken nach Hause kommt, verstehe ich, dass die irische Frau ihm Ärger macht.

Verfasst für und veröffentlicht im Berner Oberländer (Ausgabe vom Samstag, 1. Juni 2013)


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