Verfasst von: mcstrider | Oktober 6, 2014

Heldengeschichten

Ich liebe Heldengeschichten! Ich denke dabei nicht an unsere Nationalhelden Wilhelm Tell oder Arnold Winkelried, nicht an Agenten à la James Bond oder  Triple x, nicht an  Sagengestalten wie Odysseus oder Siegfried, sondern an die Geschichten, die in geselliger Runde zum Besten gegeben werden. Es ist Angeben, aber sympathischer und unterhaltsamer.

So weit kam es nicht: McStriders Träume es im Musikbusiness zu schaffen, musste er früh begraben. Sie trugen aber unerwartete Früchte.

So weit kam es nicht: McStriders Traum, es im Musikbusiness zu schaffen, musste er früh begraben. Er trugen aber unerwartete Früchte.

Ein Kollege erzählt gerne, wie er am 7. Juli 2001 auf einem der alten Holzbänke im legendären Wankdorf sass. Es war die letzte Partie, bevor das Stadion abgerissen wurde. Der damals noch junge Mann hoffte − für einen Fussballfan absolut untypisch − auf ein 0:0. Drei Tage zuvor stand er selbst unten auf dem heiligen Rasen und spielte bei einer Partie zwischen den Redaktionen zweier Berner Tageszeitungen mit. Und er war es, der die − seiner Erzählung nach − dramatische Partie mit dem 5:4 in der Nachspielzeit entschied. Doch seine Hoffnung, er gehe als letzter Torschütze im Wankdorf in die Geschichtsbücher ein, zerschlug sich. Diese Ehre gebührt Reto Burri, der für YB den 1:1-Ausgleich schoss.

Da ist die Geschichte vom Züri-West-Konzert und der Besucherin, die bis heute schwört, dass Kuno, während er «I schänke dir mis Härz» sang, nie den Augenkontakt mit ihr abreissen liess − die ganzen dreieinhalb Minuten. «Er hatte nur Augen für mich.» Sollte ich an der Geschichte zweifeln, nur weil zwei verschiedene Kolleginnen sie von sich erzählen? Nein. Schliesslich geben Züri West viele Konzerte. Und wie heisst es so schön? «Se non è vero, è ben trovato.» Wenn es nicht wahr ist, ist es doch gut erfunden.

Und hier erwartet der geneigte Leser meine Heldengeschichte. Also gut: Ohne mich wäre die Mundartband Plüsch nie bekannt geworden! Das überrascht jetzt wohl selbst die Bandmitglieder. Ich war Mitte der 90er-Jahren Bassist und Sänger einer eigenen Band, und wir suchten verzweifelt nach Auftrittsmöglichkeiten. Es gelang mir, die Organisatoren eines traditionellen Gymerfests zu überzeugen, das ein Liveact eine tolle Idee sei. Um es vorwegzunehmen: Das war es nicht. Dass wir uns auf keinen Bandnamen einigen konnten und am Ende im Programm einfach als «Liveband» angekündigt wurden, sagt schon einiges über unsere (fehlenden) Qualitäten aus. Der Auftritt wurde zum Desaster. Aber seither trat an besagtem Fest jeweils eine Band auf. Zwei Jahre später kam so eine unbekannte Combo namens VIP zu ihrem ersten Auftritt. Aus VIP wurde Plüsch, und die Geschichte nahm ihren Lauf.

Plüsch wäre nie zum Übungskeller herausgekommen, hätten wir damals nicht diese Plattform geschaffen. Allerdings weiss ich bis heute nicht, ob ich nun darauf stolz sein darf oder mich schämen muss.

Verfasst für und veröffentlicht im Berner Oberländer (Ausgabe vom Samstag, 4. Oktober 2014).


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