Verfasst von: mcstrider | Januar 23, 2015

Die Quadratur des Kreises

Die Kraftwerke Oberhasli AG hat gemeinsam mit der Gemeinde WK-Soldaten für Rodungsarbeiten eingesetzt. Das stösst auf Kritik im Dorf. Hier mein Kommentar dazu im Berner Oberländer:

Wenn die Schweizer Armee kritisiert wird, wird oft von Schlendrian und sogenanntem Leerlauf im Wiederholungskurs erzählt. Neu ist das nicht wirklich: Den inoffiziellen Befehl «Hä-si-be» («Hält sich bereit») gibt es nicht erst seit der Armee XXI. Genauso wenig wie dessen Erweiterungen «Hä-si-ra-be» und »Hä-si-li-be» («Hält sich rauchend bereit» und «Hält sich liegend bereit»). Dies ist wenig verwunderlich: Auch im Ernstfall, dem Krieg – hoffen wir, dass er für die Schweizer Armee nie eintritt –, besteht  der Alltag der Soldaten hauptsächlich aus Warten und Abwarten.

Neuer ist die Forderung, die Soldaten müssten im WK sinnvolle Arbeit leisten. Dies stellt die Armee vor eine grosse Herausforderung. Schliesslich muss an erster Stelle immer noch die soldatische Ausbildung entsprechend der Truppengattung stehen. Ich beispielsweise verbrachte den grössten Teil meiner Dienstzeit bei den Panzertruppen. Abgesehen von unseren Mechanikern, die die überarbeiteten Logistikzentren unterstützten, hatten wir kaum Möglichkeiten, unsere militärische Fachkompetenz sinnvoll einzusetzen.

Anders die Sappeure im Oberhasli: Sie leisten mit den Rodungsarbeiten für eine Wasserleitung und ein Kraftwerk der Öffentlichkeit einen Dienst und können dabei ihr Metier ausüben. Allerdings konkurrenzieren sie einheimische Arbeitskräfte, die diesen Auftrag gerne übernommen hätten. Verschärfend kommt hinzu, dass nicht nur die Gemeinde Innertkirchen von der Arbeit profitiert, sondern mit den KWO auch ein millionenschweres Unternehmen.

Wir müssen uns aber bewusst sein: Das Organisieren von WK-Einsätzen, die der Ausbildung der Soldaten dienen, die sinnvoll für die Gesellschaft sind und trotzdem niemandem Arbeit wegnehmen, kommt der Quadratur des Kreises gleich. Es ist schlicht und einfach nicht möglich.

Dieser Kommentar erschien am 23. Januar 2015 im Berner Oberländer. Den dazugehörenden Bericht von Claudius Jezella gibt es hier.


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