Verfasst von: mcstrider | Juni 15, 2015

40 Jahre Rockgeschichte auf der Bühne des Greenfield Festival

Seit vierzig Jahren macht Motörhead mit dem 70-jährigen Frontmann Lemmy Kilmister harte Musik. Der Auftritt der Rockurgesteine war ein Höhepunkt des 11.Greenfield Festival, das am Samstag zu Ende ging.

Lemmy Kilmister von Motörhead beim Auftritt am Greenfield. Foto: Manuel Lopez, mehr Bilder unter liveit.ch.

Lemmy Kilmister von Motörhead beim Auftritt am Greenfield. Foto: Manuel Lopez, mehr Bilder unter liveit.ch.

Grelle Scheinwerfer, ein furchteinflössendes Bühnenbild, viel Bewegung und jede Menge Flammen sind für Headliner eines Open Airs der harten Musik eigentlich Pflicht, aber für Motörhead nur Kokolores. «We are Motörhead and we play Rock and Roll − wir spielen Rock and Roll», heisst es bei der Band nun schon seit vierzig Jahren.  Kein Firlefanz, keine Mätzchen, einfach Musik.

Welche Art Musik das ist, darüber streiten die Experten seit Jahren. So lässt sich nicht einmal abschliessend klären, ob Motörhead nur dem Genre Heavy Metal angehören oder nicht. Das deutsche Musikmagazin «Rock Hard» bezeichnet das Debütalbum «Motörhead» als «völlig eigenständigen Bastard aus Rock’n’Roll und Punk». Das «Billboard Magazine» spricht der Band mit ihrem «überwältigenden, lauten und schnellen Heavy Metal» einen wegweisend Stil zu, die Musik sei kein Punk-Rock, vielmehr sei Motörhead die erste Metal-Band, die «dessen Energien gebündelt und damit den Grundstein für spätere Genres» des Heavy Metal gelegt habe. Gerade der Speed Metal sei stark von Motörhead geprägt worden. Der Band und den Besuchern des Greenfield Festival waren diese theoretischen Überlegungen egal. «We are Motörhead and we play Rock and Roll.»

Tragender Bass im Zentrum
Und das taten Motörhead am Freitagabend. An den Drums wirbelte Mikkey Dee, hielt das Tempo hoch und trieb die Musik mit der Doublebass-Technik gnadenlos voran. Gitarrist Phil Campbell sorgte mit einigen Seitenwechseln für etwas Bewegung auf der Bühne und mit gekonnten Soli für Applaus aus dem Publikum. Getragen wird die Musik von Motörhead aber vom Bass des Bandgründers und -kopfs Lemmy Kilmister. Er, der früh zum Schluss kam, dass ihm das Talent zum Leadgitarristen fehlte, und deshalb das Instrument wechselte, schlägt durchgehend eine Leersaite an, die in Kombination mit gegriffenen Saiten einen Klang erzeugt, der den E-Bass die Rolle der Rhythmusgitarre übernehmen lässt. Dadurch wird die Musik deutlich basslastiger. Dass die Band viele ihrer Lieder mit markanten Bassriffs eröffnet, verstärkt diesen Effekt noch. Am auffallendsten wohl beim grössten Hit von Motörhead, der auch am Greenfield nicht fehlen durfte: «Ace of Spades».

Im Lied geht es ums Pokern und ums Würfeln. Das sei nicht seine Sache, gestand Lemmy in der Autobiografie «White Line Fever». Er versuche sein Glück lieber an Spielautomaten wie dem einarmigen Banditen. «Aber man kann nicht wirklich über drehende Früchte und rotierende Räder singen.»

Jaulender Bass zum Schluss
Der 70-Jährige stand mit einer stoischen Ruhe auf der Bühne, den Kopf in den Nacken gelegt, und spulte das Programm ab. Auf Wechselspiele mit den Publikum liess er sich kaum ein. Dafür war keine Zeit. Nach einer Stunde war gemäss dem offiziellen Programm das Konzert zu Ende. Doch den Fans gelang es, der Band noch eine rund zehnminütige Zugabe abzuringen. Nach einer mitreissenden Version von «Overkill» stellte Lemmy aber seinen Bass vor den Verstärker, verbeugte sich mit seinen Mitstreitern vor dem Publikum und verliess die Bühne endgültig. Es blieb nur der Bass und das jaulende Kreischen der Rückkopplungen.

Auch wenn man Motörhead schon energiegeladener gesehen hat, lieferte die Band ein starkes Konzert ab. Das wohl viele Fans erleichterte. Musste man sich doch wegen mehrerer abgesagter Auftritte in den letzten Jahren um die Gesundheit von Lemmy Sorgen machen. Er muss nun, was man lange Jahre nicht für möglich gehalten hatte, doch den Jahren und vor allem seinem ausschweifenden Lebensstil von Sex, Drugs and Rock’n’Roll Tribut zollen.

Brennender Himmel
Das Greenfield Festival war aber noch lange nicht zu Ende.  Schliesslich war es die deutsche Metalcore-Band Heaven Shall Burn, die am späten Samstagabend den offiziellen Teil des Festivals abschloss.

Dieser Artikel erschien am 15. Juni 2015 im Berner Oberländer, dem Thuner Tagblatt und leicht gekürzt in der Berner Zeitung.

Hier geht es zu meinem Kommentar.


Responses

  1. […] Text erschien am 15 Juni 2015 im Berner Oberländer. Hier geht es zu meinem Bericht vom Motörhead Konzert auf McStrider.com, hier auf bernerzeitung.ch. Hier, […]


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