Verfasst von: mcstrider | Juli 14, 2017

Laute, Lieder, Lärm

«Ein Laut ist allgemein ein Geräusch oder ein Klang, hervorgerufen durch die menschliche oder tierische Stimme», entnimmt man der Onlineenzyklopädie Wikipedia, dem Schweizer Armeemesser des Internets. Ein Laut muss entgegen seinem Namen nicht laut sein. Auch ein leises, kaum hörbares Räuspern ist ein Laut. Richtig angeordnet ergeben menschliche Laute Lieder, falsch angeordnet Lärm.

So weit, so einfach; könnte man meinen. Und man würde falsch meinen. Denn des einen Lied ist des anderen Lärm. Ich beispielsweise rühme mich eines relativ breiten Musikgeschmacks. Am liebsten mag ich es aber laut und hart und mit viel Gitarren. Wenn die Basssalven von «Ace of Spades» aus den Lautsprechern donnern und Lemmy Kilmisters unverkennbare raue Stimme einsetzt; wenn die Gitarristen von Iron Maiden angetrieben von den unermüdlichen Bassstakkatos Steve Harris’ sich duellieren und die an eine Sirene gemahnende Stimme Bruce Dickinsons un­geahnte Höhen erklimmt; dann ist das eben Musik in meinen Ohren. Für andere ist es Lärm. Und das ist in Ordnung so.

Damit etwas Lärm ist, muss es zwar laut, aber nicht zwingend ein Laut sein. Man denke an den Verkehr auf der Autobahn oder die startenden Militärjets im Oberhasli. Und schon wieder rutschen wir in eine Grauzone: Denn das dröhnende Röhren eines mit Nachbrenner startenden F/A-18 ist für viele ohren­betäubender Lärm, für andere aber Musik. Das Gleiche gilt für das Aufheulen eines hoch­getunten Boliden. Ja auch Gebimmel einer Kuhtreichel, das Schlagen der Kirchenglocken oder Jauchzer an Gleitschirmen hängender Touristen wird von manchen als Lärm empfunden.

Eine Rolle spielen die Umstände: Uhrzeit, Häufigkeit und auch die persönlichen Präferenzen. Es ist klar, dass ein Aviatikfan, der extra zum Planespotting (dem Beobachten und Fotografieren von Flugzeugen) nach Unterbach reist, sich am Klang der Jetturbinen erfreut. Dass Anwohner, die Tag für Tag mit dem Donnern der Maschinen konfrontiert sind, es anders sehen, leuchtet wohl jedem ein.

Zum Schluss stellt sich die Frage: Welches Lied ist die beste Musik? Ich habe sie Google gestellt. Und die Resultate fielen vielfältig aus: «The Telegraph» setzt «Life on Mars?» von David Bowie auf die 1. Bob Dylan holt sich mit «Like a Rolling Stone» bei der Popzeitschrift «Rolling Stone» den Platz an der Sonne. Tja, und laut Musikwissenschaftlern der Universität Amsterdam ist «Wannabe» von den Spice Girls wenn nicht das beste, so das bekannteste Lied der Welt. Da hört mein «breiter» Musikgeschmack auf.

Dieser Text erschien am 14. Juli im Berner Oberländer und Thuner Tagblatt unter der Rubrik Kopfsalat


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