Verfasst von: mcstrider | März 16, 2018

Wochentage und etwas Geschichte

Haben Sie heute frei? Man könnte es doch meinen – immerhin ist Freitag. Aber natürlich hat der Freitag nichts mit frei zu tun. Sonst wäre besagter Tag ja Teil des Wochenendes und nicht «nur» dessen Vorbote. Genauso wenig geht es beim Dienstag um einen Dienst. Nur Donnerstag und Donner gehören tatsächlich zusammen.

Im Dialekt sind wir viel näher bei der ursprünglichen Bedeutung der Tagenamen. «Ziischtig» und «Friitig» heisst es hier. Ersterer ist dem germanischem Gott Ziu oder Tyr gewidmet und Zweiterer der Göttin Frija. Und der Donnerstag gehört eben dem germanischen Gott Donar. Heute dank Comics und Filmen vor allem unter seinem nordischen Namen Thor bekannt.

Dies kommt im Englischen zum Tragen, wo der Donnerstag Thursday heisst – eben Thors Tag. Und wenn wir dieser Spur weiter folgen, merken wir, dass Schweizer Dialekt manchmal dem Englischen näher ist als dem Deutschen. Schliesslich heisst es ännet dem Kanal Tuesday und Friday – auch hier sind Ziu und Frija klar herauszuhören.

Und das mit gutem Grund. Unser Dialekt – besser gesagt unsere Dialekte – sind an ältere Formen der deutschen Sprache angelehnt. Wie auch das Englische – zumindest zum Teil. Dies dank den Angelsachsen, die ab dem 5. Jahrhundert Grossbritannien besiedelten und dominierten. Bis dann im 11. Jahrhundert von Süden die Normannen kamen, welche Französisch sprachen. Und das Keltische spielt auch noch eine Rolle . . . Ein grosses Durcheinander. Wer sich näher dafür interessiert, dem sei das Brettspiel «Britannia» ans Herz gelegt. Da werden 1000 Jahre britische Geschichte nachgespielt. Von den Römern über Artus bis zu William the Conqueror (Wilhelm der Eroberer), der mit den Normannen 1066 die Vorherrschaft der Angelsachsen beendete.

Dieses «Chrüsimüsi» merkt man dem Englischen noch heute an. Und ist mit ein Grund, dass die Sprache schnell zu lernen, aber schwierig zu beherrschen ist. Wörter, die gleich geschrieben werden, werden unterschiedlich ausgesprochen, und solche, die unterschiedlich geschrieben werden, werden gleich ausgesprochen. Sehr schön wird einem das beim Gedicht «The Chaos of ­English Pronunciation» von ­Gerald Nolst vor Ohren geführt.

«Dearest creature in creation studying English pronunciation, I will teach you in my verse sounds like corpse, corps, horse and worse.» Und so geht es noch lange weiter . . . Sie finden es hier auf Youtube.

Und apropos Wilhelm: Für den hat sich die Invasion doppelt gelohnt. Er wurde König von England und holte sich einen neuen Übernamen. Vorher nannte man ihn Wilhelm den Bastard.

Dieser Text erschien am 16. März im Berner Oberländer und Thuner Tagblatt unter der Rubrik „Kopfsalat“


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